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“Der Erfinder setzte das Rad mit einem Durchmesser von 6 Leipziger Ellen (3.50m) und einer Dicke von einem Schuh (30cm) in Bewegung. Es ruhte auf demselben hölzernen Gestell, das bereits früher zu diesem Zweck verwendet worden war. Es wurde angehalten und wahlweise in beiden Richtungen beliebig oft wieder in Gang gesetzt, so wie die einzelnen Mitglieder der Kommission dies wünschten. Die Maschine wurde mit einem leichten Stoß in Gang gesetzt und beschleunigte selbständig, sobald das erste Gewicht im Inneren des Rades heruntergefallen war. Für diesen Anstoß genügten zwei Finger. Nach einer vollständigen Umdrehung erreichte das Rad eine starke und gleichmäßige Rotationsbewegung. Dies war auch dann der Fall, wenn die Maschine einen etwa 70 Pfund schweren Kasten anhob, der mit Ziegelsteinen gefüllt war. Letzteres wurde mit einem Seil bewerkstelligt, das aus dem Fenster geführt wurde. Im Beisein der Kommission hob der Erfinder das ganze Rad von seinem Gestell herunter. Die Holzpfosten sowie die Radaufhängung einschließlich des eisernen Lagers wurden gründlich untersucht. Es konnten keinerlei Anhaltspunkte für einen Betrug festgestellt werden.
Sodann wurde der Aufstellungsort des Rades verändert, wobei jedes Detail genau beobachtet wurde. Die Maschine konnte anschließend wieder in beiden Richtungen in Bewegung gesetzt werden und war so leistungsfähig wie zuvor. Die Bewegung wurde von den lauten Geräuschen des inneren Mechanismus’ begleitet. Diese hörten jedoch auf, sobald die Maschine zum Stillstand kam. Es wird besonders erwähnt, dass die Kommission vor Beginn der Untersuchung die Räume oberhalb und unterhalb sowie zu beiden Seiten des Aufstellungsortes in Augenschein nahm. Es wurden keine Anhaltspunkte für einen Riemenantrieb oder Ähnliches gefunden.”
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Das Protokoll weist die Unterschriften der 12 Kommissionsmitglieder auf. Die bekanntesten waren: Friederich Hoffmann, Medizinprofessor und Gründer der Universität Halle, Christian Wolff, Schüler von Leibniz und Professor der Universität Halle, Johann Mencke, Geschichtsprofessor an der Universität Leipzig, Christoph Semler, Gründer der ersten deutschen Realschule, Christoph Buchta, Berater am Hofe des Herzogs und Freund von Leibniz. Johann Adam Caff, Sächsisch-Weißenfelsischer Landbaumeister, Mathematiker und Ingenieur*)
*) Caff hatte bereits 1712 im Auftrag des Fürstenhauses Reuß-Gera Besslers erstes “Perpetuum Mobile” untersucht und einen Betrug definitiv ausgeschlossen. (Siehe Das “Attestat” von Gera.)
Bei Zedler, (historisches Universallexikon), gibt es dazu einen längeren Bericht. (Rechtschreibung und Interpunktion im Original):
Weil er nun hierbey allerhand Widerrede, Unglimpff, falsche Deutung und Vernichtungen dieses seines Inventi erfahren muste, so stellete er hiermit endlich im Jahr 1715 den 31 October vor Commissarien und Zeugen eine öffentliche Probe an, worzu auf sein Ansuchen von Ihro Hochfürstl. Durchl. dem Hertzog von Merseburg, der Herr Julius Bernhard von Rohr, nebst einem Secretario, zu Commissariis ernennet wurden, zu denen sich viel Fürstl. Beamten, zugleich viel vornehme und gelehrte Zuschauer geselleten; Als Herr Bohse, Sächsischer Geheimer Rath, Herr Leidenfrost, Sächsischer Hofrath, Herr Profess. Hoffmann, Herr Hofrath Wolf aus Halle, Herr Buchda Zeitzischer Hofrath, Hr. D. Joh. Burckhardt Mencke, aus Leipzig, Herr Land-Rath Hübner, von Merseburg, M. Semmler, Ober-Diaconus an der Ulrichs-Kirche, aus Halle, Herr Benit und Herr Wollbaum, Mathematici und andere, von welchen allen das Werck im Augenschein genommen und dem Inventor deßhalb ein schriftliches Attestat unter dero sämtlichen Namen, gedachten 31 October 1715 ertheilet wurde, worinnen sie bekennen, daß die Maschine, so 6. Ellen im Diameter und einen Schuh dicke, zu verschiedenen mahlen, und so oft es die Herren Commissarien und Zuschauer verlangt, rechts und lincks herum gelauffen, so, daß auf erhaltene gantz geringe Hülfe, mit zwey Fingern, ohne die geringste Force, so bald nur ein eintziges von denen im Kunst-Rade verborgenen Gewichtern zu fallen angefangen, die Maschine nach und nach in eine starcke egale Bewegung kommen, auch einen Kasten mit 6 Mauer-Ziegeln, zusammen 70 Pfund schwer, durch einen zum Fenster hinaus bis ans Dach, und von dar etliche Klafter hinunter in den Hof gehenden Zug, so oft mans verlangte bis ans Dach hinaufgezogen, und mit grosser Force in diesem Motu aufgehalten werden müssen, zu geschweigen, daß der Herr Inventor die Maschine ausgehoben, alles besichtiget, und an keinem Orte der geringste Fucus*) bemercket worden.
*) fucus (lat.) = Schein, Falschheit
Unnötig zu sagen, dass die erwähnten prominenten Personen nicht die einzigen waren, die den Ablauf verfolgt hatten. Die Untersuchung des Besslerrades war ein Anlass von großem öffentlichen Interesse und zog viele Schaulustige an. Man hätte annehmen müssen, dass die Zweifel nun für alle Zeiten ausgeräumt waren, doch dem war nicht so. Kaum waren einige Wochen ins Land gegangen, wurden die Gegner erneut aktiv und streuten die alten Verdächtigungen unter das Volk. Bessler hätte dem ein für alle Mal eine Ende machen und das Geheimnis seines Antriebs offen legen können, aber dazu mochte er sich nicht durchringen. Die ständigen Angriffe beschädigten nachhaltig sein Selbstwertgefühl und setzten ihm psychisch zu. Es wird berichtet, dass er in der Folgezeit unter ernsten Depressionen litt. Auch ärgerte er sich über den Merseburger Magistrat, der ihn mit 6 Pfennig pro Tag besteuerte. Bessler hatte nämlich damit begonnen, von Schaulustigen für die Vorführung des Rades Eintrittsgeld zu verlangen. Die Stadt Merseburg betrachtete die Erfindung deshalb als Erwerbsunternehmen.
Am schwersten wog jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt auf kürfürstliche Weisung auch die Ermittlungen gegen Besslers Ehefrau und seine Dienstmagd wegen der gemeinschaftlichen Tötung eines neugeborenen (unehelichen) Kindes wieder aufgenommen und nun rigide geführt wurden. (Dieser Sachverhalt wird im Zusammenhang mit der Dienstmagdaffäre weiter unten noch genauer geschildert.) Da der Dresdner Hof diese Weisung erst Jahre nach dem Vorkommnis erteilte, liegt die Vermutung nahe, dass dies aufgrund einer Einflussnahme des dort in gutem Ansehen stehenden Andreas Gärtner geschah. Dieser verfolgte ganz offensichtlich das Ziel, Bessler nun nachhaltig zu schaden. Nachdem dessen Erfindung in Merseburg öffentlichkeitswirksam rehabilitiert worden war, hat sich Gärtners Hass erkennbar weiter gesteigert.
Um die beiden Damen vor einer Strafverfolgung durch die sächsische Justiz zu bewahren, fasste Bessler den Entschluss, seiner Heimat dauerhaft den Rücken zu kehren. Landgraf Carl von Hessen-Cassel hatte ihm bereits einige Zeit zuvor angeboten, nach Cassel*) zu kommen. Deshalb folgte er nun der Einladung und verlegte im Frühsommer 1716 seinen Wohnsitz nach dort. Das Rad nahm er nicht mit, sondern zerstörte es. Mit dreieinhalb Metern Durchmesser wäre es auf mehr als 200 Straßenkilometern nicht nur kaum zu transportieren, sondern des Nachts vor neugierigen Zeitgenossen auch nicht zu schützen gewesen. Ein solcher Umzug dauerte mit dem Pferdewagen damals mehrere Tage.
*) Cassel heißt seit 1926 Kassel. Auch Carl wurde posthum in Karl “umbenannt”. Da sich in Geschichtsschreibung und Literatur diese Schreibweise des Landgrafen durchgesetzt hat, soll sie auch hier ausschließlich so verwendet werden.
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Karl war von Leibniz auf Besslers Erfindung aufmerksam gemacht worden. Da er ein technisch überaus interessierter Mensch war und für Neuerungen eine starke Faszination verspürte, gewährte er dem Erfinder Aufenthalt auf Schloss Weißenstein und ermunterte ihn, ein neues Rad zu bauen. Er ernannte Bessler zum Kommerzienrat und zahlte ihm ein Gehalt. Allerdings knüpfte Karl es an die Bedingung, dass der Erfinder ihn in sein Geheimnis einweihen würde. Bessler, der sich nun in einer Abhängigkeit befand, hatte im Grunde keine Wahl. Nachdem Karl versprochen hatte, niemandem etwas zu verraten, stimmte er zu. Er begann alsbald mit der Arbeit und hatte im August 1717 ein neues Rad fertiggestellt. Der Landgraf durfte hineinschauen und war von der Einfachheit des Mechanismus’ überrascht. Seine Reaktion: “Sehr erstaunlich, dass darauf noch keiner gekommen ist. Das könnte jeder Zimmermannslehrling bauen.”
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In der Zwischenzeit war Besslers Todfeind Gärtner jedoch nicht tatenlos geblieben, sondern hatte sein hasserfülltes Treiben gegen ihn fortgesetzt. Offenbar hatte er sich vorgenommen, weiter zielgerichtet daran zu arbeiten, Bessler zu erledigen. Er veröffentlichte mehrere Hetzschriften, die dessen Ansehen weiter ruinieren sollten und die in der Tat nicht geeignet waren, unbeachtet zu bleiben. Gärtners Taktik war, Bessler auf eine Art herauszufordern, die dieser vermutlich nicht würde ignorieren können, die aber nach Gärtners Plan geeignet sein würde, Bessler dauerhaft zu diskreditieren. So forderte Gärtner öffentlich, dass Besslers Maschine einem vierwöchigen Dauertest unterzogen werden müsste. In dieser Zeit sollte niemand das Rad berühren dürfen. Eine dauerhafte Bewegung sei schließlich das, was Bessler immer selbst von seinem Rad behauptet hätte. Wenn ihm dies gelänge, sollte Bessler von Gärtner 1000 Taler erhalten. Bei einem Fehlschlag hätte Bessler jedoch an Gärtner dieselbe Summe zahlen sollen. Ein schlauer Plan, der Gärtner reich machen, Bessler jedoch finanziell ruinieren und seinen Ruf für alle Zeiten zerstören sollte. Dadurch ergab sich nun eine ähnliche Situation wie die, die in Merseburg zur Durchführung der dortigen Prüfung geführt hatte.
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So kam es, wie von Gärtner beabsichtigt. Um nicht das Gesicht zu verlieren, nahm Bessler die Herausforderung an. Er bat den Landgrafen um Unterstützung für einen Langzeittest. Nachdem die Vorbereitungen dafür abgeschlossen waren, wurde am 12. November 1717 zunächst von einer Kommission gründlich überprüft, dass bei Besslers Rad auf Schloss Weißenstein alles mit rechten Dingen zuging. Dabei orientierte man sich an dem Ablauf der Prüfung von Merseburg und inspizierte nicht nur die Radlager und die Nachbarräume, sondern verlangte von Bessler, dass sein Rad vor aller Augen an einen anderen Ort umgesetzt wurde. Anschließend versiegelte man den Raum und ließ ihn ständig bewachen.
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Am 4. Januar 1718 wurde der Test beendet. Das Rad hatte die ganze Zeit schadlos überdauert und bewegte die Stampfhölzer so zuverlässig wie zu Beginn. Verstrichen waren insgesamt 54 Tage, also eine deutlich längere Zeit, als Gärtner es gefordert hatte. Bessler triumphierte.
In der Folgezeit schrieb Bessler mehrere Bücher, die sich ausnahmslos mit seiner Erfindung beschäftigten. Er wollte damit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt werden und auf diese Weise einen Käufer für sein “Perpetuum Mobile” finden. Landgraf Karl hielt weiterhin seine schützende Hand über ihn. Er war der einzige, der sein Geheimnis kannte. Das Versprechen, es niemandem zu verraten, hat er übrigens bis zu seinem Tode (1730) gehalten. Im Jahr 1721 überließ er Bessler ein Haus in Carlshaven, in dem dieser fortan mit seiner Familie lebte.
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Die Ära auf Schloss Weißenstein war für Bessler damit zu Ende. Sein neuer Wohnort (nördlich von Kassel) war 1699 gegründet worden, hieß zunächst Sieburg und wurde erst vier Jahre vor seinem Umzug in “Carlshaven” umbenannt. Karl ließ hier einen Weserhafen bauen, (daher der neue Name), und ab sofort die Güter von dort aus auf dem Landweg nach Cassel transportieren. Auf diese Weise wurde Hannoversch Münden umgangen, das durch die Ausübung seines Stapelrechts bis dato den Gütertransport über die Weser und die Fulda bis nach Cassel erheblich verzögert und verteuert hatte. Karl empfand das als großes Ärgernis, wollte jedoch keinen Konflikt mit dem Kurfürstentum Hannover heraufbeschwören.
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Bad Karlshafen. Inmitten der Häuser das alte Hafenbecken.
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Alsbald wurde mit dem Bau einer künstlichen Wasserstraße von Carlshaven über Cassel nach Marburg begonnen, um eine Verbindung von der Weser über die Lahn bis zum Rhein zu schaffen. Dazu nutzte man als Beginn den unteren Flusslauf der Diemel, die an jener Stelle in die Weser mündet. Sie wurde bis Trendelburg schiffbar gemacht. Dort begann dann der eigentliche Kanal, der jedoch von Anfang an mit niedrigen Wasserständen zu kämpfen hatte und deshalb nur vier Jahre lang bis Hümme befahren wurde. Erst nach der Herstellung einer Verbindung zur Fulda hätte genügend Wasser zur Verfügung gestanden. Als Karl 1730 starb, wurde das Projekt wegen der hohen Kosten nicht länger verfolgt.
1730 entdeckte man in Carlshaven salzhaltiges Wasser. Den Zusatz “Bad” erhielt die Stadt jedoch erst im Jahr 1977.
Links der Schlussstein einer Eingangstür, der die Buchhandlung Schäfer in der Conradistraße 2 schmückt. Dem Eigentümer des Hauses war es ein Anliegen, den ehemaligen Mitbürger seiner Stadt auf diese Weise zu ehren.
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Karlshafen befindet sich im äußersten Norden von Hessen genau dort, wo Letzteres mit Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ein Dreiländereck bildet. Die Weser ist hier zugleich die Grenze, nördlich beginnt das Weserbergland. Das später erwähnte Fürstenberg ist nur ca. 15 Kilometer entfernt, liegt aber bereits in Niedersachsen.
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Im Vordergrund das Hafenbecken. Der rote Pfeil bezeichnet Besslers ehemaliges Haus, das heute in 34385 Bad Karlshafen, Hafenplatz 10-12 das “Café Sieburg” beherbergt. Es grenzt unmittelbar an das rechts daneben gelegene Rathaus an. Zwischen beiden Gebäuden soll es eine Geheimtür gegeben haben, die Bessler gelegentlich nutzte, um den tagenden Stadtrat zu belauschen. Er lebte ständig in der Sorge, dass man etwas gegen ihn ausheckte. Und dies war auch nicht ganz unbegründet, denn er hatte sich durch zahlreiche Eingaben an Landgraf Karl bei den Ratsherren unbeliebt gemacht. Da er sich immer und immer wieder über von ihm so empfundene Missstände in Carlshaven beschwerte, galt er bei ihnen als notorischer Querulant.
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Besslers Haus wurde nach seinem Tod durch dessen Witwe verkauft. Am Ende dieser Biographie finden Sie den Text eines Inserats, das damals von ihr in den “Braunschweigischen Anzeigen” platziert wurde. Er enthält eine Beschreibung der einzelnen Wohnräume, des Hintergebäudes und des Gartens sowie des dazugehörigen Wiesen- und Ackerlandes. Die Hofeinfahrt mit dem halb geöffneten rechten Flügel ist im Inserat als “grosser Thor-Weg” beschrieben. Hier gelangte man früher mit dem Pferdewagen zur Stallung. Heute ist es der Zugang zu Mietwohnungen im Hinterhaus. Am linken Bildrand befindet sich der Eingang zum Café.
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Vor dem 2. Weltkrieg aufgenommenes Luftbild des Karlshafener Hafens. Aus der Sicht des Betrachters führt nach links eine nicht mehr schiffbare Verbindung zur Diemel, über die auch heute noch ständig Wasser in den Hafen einfließt. Damit das funktioniert, wird die Diemel etwas flussaufwärts gestaut und das Wasser in einem parallel zum Fluss verlaufenden Kanal zum Hafen geführt. Rechts unter der Straßenbrücke, (die zunächst eine Zugbrücke und danach zeitweilig eine Drehbrücke war), befindet sich heute ein Wehr, das den Pegel im Hafen festlegt. Überschüssiges Wasser fließt darüber hinweg und gelangt durch die stillgelegte Hafenschleuse zur Weser.
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Hier die ehemals schiffbare Verbindung zur Diemel. Bei der (links) im Hintergrund sichtbaren Straßenbrücke handelte es sich früher ebenfalls um eine Zugbrücke. Das auf diesem Weg einfließende Wasser sorgt für einen stetigen Austausch im Hafenbecken, das übrigens nicht immer geflutet war. In seiner fast dreihundertjährigen Geschichte war der Hafen zeitweilig auch trocken gelegt und diente u.a. als Weidefläche für Ziegen. Heute ist er optische Attraktion für Kurgäste und Touristen.
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Ein Blick auf die ehemalige Hafenschleuse. Durch die dauerhaft leicht geöffneten Torflügel gelangt das aus dem Hafen abfließende Wasser in die Weser. Das rechte Foto zeigt das Schleusentor von der Flussseite aus.
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Gärtner, der von dem Umzug nach Carlshaven gehört hatte, nahm an, dass Bessler nun nicht mehr unter dem Schutz des Landgrafen stünde. Er veröffentlichte alsbald seine nächste Hetzschrift und beharrte unverändert darauf, im Recht zu sein. Die Publikation fand jedoch nicht mehr die erhoffte Resonanz. Verbittert starb Gärtner im Februar 1727. Links eine in seinem Geburtsort Quatitz (nördlich von Bautzen) aufgestellte Tafel, die an ihn erinnert. Der Name Zahrodnik belegt seine sorbische Herkunft. Das Bildnis lässt erkennen, dass Gärtner kein glücklicher Mensch war.
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Bessler hatte unverändert die Absicht, seine Erfindung zu verkaufen. Er forderte dafür die damals unvorstellbar hohe Summe von 100.000.- Taler. Nach heutiger Kaufkraft wird man dafür etwa 5 Millionen Euro ansetzen können. Als Kommerzienrat erhielt Bessler ein Jahresgehalt von 300 Taler. Dagegen waren 100.000 atemberaubend. Es gab einige Interessenten, aber kaum einer war bereit oder in der Lage, einen solch hohen Preis zu bezahlen. Der prominenteste Kaufinteressent war Zar Peter der Große. Er hatte anlässlich eines Kuraufenthaltes in Böhmen von der Erfindung gehört und wollte eigens eine Reise nach Carlshaven unternehmen, damit er sich die Maschine dort selbst ansehen konnte. Es kam jedoch nicht mehr dazu, denn im Februar des Jahres 1725 starb der Zar unerwartet an den Komplikationen einer Harnwegsinfektion.
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Etwa zeitgleich bildete sich in London eine Interessengemeinschaft, die bereit war, die Erfindung zu kaufen. Man vermutet, dass Newton zu diesem Personenkreis gehörte, selbst aber nicht in Erscheinung treten wollte. Der Erwerb wurde jedoch an eine Bedingung geknüpft. Landgraf Karl sollte den Geldbetrag treuhänderisch in Empfang nehmen. Anschließend sollte das Innere des Rades von dem durch die Käufer beauftragten Professor ‘sGravesande (siehe Zeitzeugen) inspiziert werden. Nur wenn sich darin tatsächlich ein Antrieb befände, der eine ewige Bewegung garantierte, sollte das Geld an Bessler übergeben werden. Jener war über diesen vorgeschlagenen Verfahrensablauf so erzürnt, dass er alle weiteren Gespräche abbrach und sein Rad zerstörte. Ein Verkauf fand also nicht statt, und daran änderte sich auch bis zum Tode Besslers nichts mehr.
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Die Zweifler sehen die Zerstörung des Rades heute als Beweis dafür an, dass es ein funktionstüchtiges Perpetuum Mobile gar nicht gab, das Bessler hätte verkaufen können. Die Entrüstung sei nur gespielt gewesen, denn dafür hätte es objektiv keinen Grund gegeben. Bei einer solch hohen Summe sei es ganz legitim, dass der Käufer eine gewisse Sicherheit hätte haben wollen. Wenn Bessler damit nicht übereingestimmt hätte, wäre es ein Leichtes gewesen, das vorgeschlagene Verfahren ganz einfach zurückzuweisen. Die zur Schau gestellte Verärgerung und die Zerstörung seien jedoch der einzige Weg gewesen, sich aus der Affäre zu ziehen. Bessler hätte den Preis über all die Jahre deshalb so astronomisch hoch angesetzt, damit er niemals in die Verlegenheit kommen würde, verkaufen zu müssen. In diesen Zusammenhang passe die Tatsache, dass Bessler die Ausschreibung des russischen Zaren ganz bewusst ignoriert hätte. Jener hatte 1713 eine Summe von 30.000.- Rubel dafür ausgelobt, dass jemand ein funktionierendes Perpetuum Mobile entwickeln würde. Die Skeptiker meinen, dass es dem nach Geltung süchtigen Bessler ausschließlich darauf angekommen sei, öffentlich für seine “Erfindung” bewundert zu werden. Dazu passe das abstoßende Getue mit “Orffyreus”. Nachdem die Londoner Gruppe wider Erwarten tatsächlich die geforderte Summe bezahlen wollte, sei ihm gar nichts anderes übrig geblieben, als das Rad zu zerstören, um auf diese Weise einer Aufdeckung seines Betruges zuvorzukommen. Hätten die Engländer nämlich zur Rettung des Geschäftes auf den zunächst geforderten Ablauf verzichtet, (so die Zweifler), hätte Bessler ohne die Zerstörung des Rades seinen Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen können. Ihm sei völlig klar gewesen, dass er niemals 100.000.- Taler für eine Maschine hätte kassieren können, die in Wahrheit nicht funktionierte. Die Sache wäre augenblicklich aufgeflogen, und man hätte ihn ins Gefängnis geworfen. Wahrscheinlich hätte ‘sGravesande den Schwindel bereits bei seiner Inspektion entlarvt, denn er wäre Fachmann genug gewesen, um nicht einem Gauklertrick aufzusitzen. Hätte Bessler ein funktionierendes Perpetuum Mobile besessen, hätte er dem geforderten Verfahrensablauf sofort zugestimmt und wäre dann über Nacht ein überaus vermögender Mann gewesen. Es widerspreche jeder Lebenserfahrung, dass jemand, der seinem Lebensziel so nahe ist, nur wegen einer Stilfrage plötzlich auf alles verzichtet.
Diese angestellten Überlegungen entbehren tatsächlich nicht einer gewissen Schlüssigkeit und sind geeignet, einen sonst unbeirrbaren Bessler-Anhänger in Zweifel zu stürzen. Ob nun zutreffend oder nicht, sie machen deutlich, dass Bessler durch sein Verhalten sehr dazu beigetragen hat, das Misstrauen gegen ihn immer wieder neu zu schüren. Die Zerstörung des Rades ist eine weitere Facette in seinem schillernden Leben und macht es auch einem wohlwollenden Biographen nicht leicht, Bessler ohne jeden Vorbehalt als untadeligen und über alle Zweifel erhabenen Menschen zu beschreiben. Dies auch deshalb nicht, weil die Unrühmlichkeiten damit noch nicht zu Ende waren. Bessler kam später sogar für kurze Zeit ins Gefängnis.
Der Verfasser neigt dennoch nicht dazu, den Betrugsverdächtigungen zu folgen. Richtig dürfte sein, dass Bessler psychische Probleme hatte. Da es in seinem Leben Personen gegeben hatte, die man milde gesagt nicht zu seinen Freunden rechnen konnte, (man denke an Gärtner oder an den aus Leipzig stammenden Wagner), litt er unter Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen. Er war hochgradig misstrauisch und hatte offensichtlich die Befürchtung, dass man nach der Inspektion seines Mechanismus’ einen Vorwand finden würde, den Kaufpreis nicht zu entrichten. Er wäre dann nicht nur um sein Geld, sondern auch um das Geheimnis seines Rades gebracht worden.
Diese Ängste waren sicher nicht ganz abwegig, denn der innere Aufbau des Rades war gemäß Landgraf Karl ja recht simpel. Eine Inspektion wäre daher für die Käufer äußerst ernüchternd gewesen. In diesem Zusammenhang ist es sogar denkbar, dass Bessler sich schämte, den Mechanismus deshalb vorher offen zu legen, weil dessen Einfachheit in keinem angemessenen Verhältnis zu der geforderten Summe stand. Vielleicht wurde er in seinem Entschluss auch wankend, weil er befürchtete, dass es mit der Bewunderung ein Ende gehabt hätte, wenn das Rad plötzlich von jedermann hätte nachgebaut werden können. Sein Nimbus als genialer Erfinder lebte bis dato zu einem erheblichen Teil von der im Dunkeln liegenden Funktionsweise seines “Perpetuum Mobiles”.
Der von den Engländern vorgeschlagene Ablauf signalisierte im übrigen, dass man Bessler nicht ungeprüft für einen Ehrenmann hielt, sondern durchaus in Erwägung zog, einen Betrüger vor sich zu haben. Die Zerstörung des Rades könnte man daher auch als neurotische Trotzreaktion bewerten, mit der Bessler das Ausmaß seiner verletzten Gefühle und die Endgültigkeit seiner Entscheidung dramatisch unterstreichen wollte. Gekränkte Menschen tun manchmal ganz unvernünftige und nicht nachvollziehbare Dinge.
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Im Herbst 1727, also drei Jahre vor dem Tod Karls, kam es zu einem Eklat. Die soeben entlassene Magd Besslers, Anne Rosine Mauersberger, gebürtig in Drebach/Sachsen, gab unter Eid zu Protokoll, dass der Dauertest auf Schloss Weißenstein von Anfang bis Ende ein Betrug gewesen sei. Im Boden sei eine lange Eisenwelle versteckt gewesen, über die das Rad von einem entfernten Raum über ein zweites Rad angetrieben worden sei. Bei diesem zweiten Rad hätte es sich um ein so genanntes Tretrad gehandelt, auf dem sie im Wechsel mit Bessler und dessen Bruder Tag und Nacht für einen Hungerlohn hätte laufen müssen.
Bevor Frau Mauersberger 1711 als Magd in Besslers Dienste trat, arbeitete sie in derselben Funktion bei seinen Schwiegereltern, der Bürgemeistersfamilie Dr. Christian Schuhmann in Annaberg/Sachsen. (Ihr Geburtsort Drebach ist von dort nur ca. 10 km entfernt.) Die jüngste der drei Schuhmann-Töchter, Barbara Elisabeth, wurde die Ehefrau Besslers. Chronisten berichten, dass diese vor ihrer Verbindung mit Bessler ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hatte, das unmittelbar nach der Geburt getötet worden war. Damals durchaus keine Seltenheit, denn ein solches Ereignis bedeutete große Schande für die ganze Familie. Der Verlobte und Kindesvater hatte sich nämlich während der Schwangerschaft aus dem Staub gemacht. Da die Leiche des Neugeborenen aufgefunden wurde, erregte der Fall beachtliches Aufsehen in Annaberg. Wegen des dringenden Verdachts, an der Tötung maßgeblich mitgewirkt zu haben, wurde Frau Mauersberger verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Mittels eines (abgefangenen) Kassibers unternahm sie von dort aus den Versuch, mit Familie Schuhmann Kontakt aufzunehmen, um mit ihnen ihre Aussage abzusprechen. Dieser Vorgang wirft ein bezeichnendes Licht auf ihren Umgang mit Wahrheit. Aus heute nicht mehr genau nachvollziehbaren Gründen wurde das Verfahren jedoch (zunächst) eingestellt und Frau Mauersberger aus der Haft entlassen. Vermutlich hatte Dr. Schuhmann, der nicht nur angesehener Bürgermeister, sondern auch praktizierender Arzt in Annaberg war, darauf Einfluss genommen. Gegen seine jüngste Tochter wurde von Anfang nicht ermittelt.*). Dagegen geriet später seine Ehefrau in die Schusslinie der Obrigkeit.
*) Soweit der Sachverhalt aufgeklärt werden konnte, waren an der Tötung die Frau des Bürgermeisters, eine der älteren Töchter sowie die Dienstmagd Anne Rosine Mauersberger beteiligt. Ob das gemeinschaftliche Handeln nach damaligem Recht die qualifizierenden Tatbestandsmerkmale des Mordes erfüllte, ist nicht bekannt. (Die Tötung eines unehelichen Kindes unmittelbar nach der Geburt wurde in der deutschen Rechtsgeschichte lange Zeit als minder schweres Delikt angesehen.) Die Kindesmutter war an dem Verbrechen aktiv nicht beteiligt. Dies dürfte aber mit ihrem geschwächten Zustand durch die gerade stattgefundene Geburt zu tun gehabt haben. Es ist nicht vorstellbar, dass die Tötung ohne ihr Einverständnis bzw. gegen ihren erklärten Willen erfolgte. Sollte sie also damit übereingestimmt haben, dürfte sie auch damals als Täterin gegolten haben.
Man vermutet, dass die Magd deshalb in Besslers Dienste trat, um so Annaberg den Rücken kehren zu können und auf diese Weise einer erneuten Verhaftung zu entgehen. Das war aus ihrer Sicht die richtige Entscheidung, denn 1716 wurden auf kurfürstliche Weisung die Ermittlungen in Sachen Kindestötung wieder aufgenommen und diesmal rigide geführt. Dr. Schuhmann war zwischenzeitlich verstorben und konnte sich nicht mehr schützend vor seine Familie stellen. Da die Wiederaufnahme zeitlich exakt mit Besslers Umzug von Sachsen nach Hessen zusammenfiel, dürfte die Besorgnis vor einer drohenden Strafverfolgung seine eigentliche Motivation gewesen sein, die sächsische Heimat dauerhaft zu verlassen. August der Starke hatte als Kurfürst von Sachsen Zugriff auf das Territorium Sachsen-Merseburg und hätte Frau Mauersberger und/oder die Ehefrau Besslers dort verhaften und vor Gericht stellen lassen können. Im Machtbereich von Landgraf Karl war ihm das nicht möglich.
Frau Mauersberger galt als zänkisch und gewalttätig. Es wird berichtet, dass es mit ihr im Hause Bessler immer wieder zu heftigen Konflikten kam. Zum Zeitpunkt ihrer Anzeige war sie 38 Jahre alt. Sie hatte die Entwicklung des Rades in seinen verschiedenen Ausführungen hautnah miterlebt. Da Bessler häufig in wirtschaftlichen Nöten war und sich deshalb kein großzügiges Domizil leisten konnte, war räumliche Enge an der Tagesordnung. Frau Mauersberger dürfte deshalb den üblichen Tagesablauf ihres Herrn, seine Stärken und Schwächen, seine Tugenden und Laster, die Ränkespiele, die Intrigen der Gegner sowie insbesondere die mechanischen Arbeiten am Rad bestens gekannt haben. Es ist kaum denkbar, dass Bessler das Innere des Rades jedes Mal verhängte, wenn seine Magd den Raum betrat. Zur damaligen Zeit war es völlig normal, dass Dienstboten bestens über Interna ihrer Herrschaften Bescheid wussten. Klar war aber auch, dass sie absolutes Stillschweigen zu wahren hatten. Wer Geheimnisse ausplauderte, bekam nirgendwo mehr eine Anstellung.
Räumliche Nähe brachte es mit sich, dass Herr und Magd gelegentlich sexuelle Beziehungen pflegten. So soll auch Bessler mit Frau Mauersberger zeitweilig ein Liebesverhältnis unterhalten haben. Die Erfahrung lehrt, dass Männer dabei mitteilsam werden und gelegentlich Dinge offenbaren, die sie normalerweise geheim halten. Es ist also durchaus möglich, dass die Magd Sachkenntnisse betreffend das “Perpetuum Mobile” gehabt haben mag. Jedenfalls war die Beziehung zwischen beiden von einer Qualität, dass die Magd nach dem krankheitsbedingten Tod von Besslers Ehefrau sich große Hoffnungen machte, von diesem nun geheiratet zu werden. (Besslers erste Frau starb 1726 an Tuberkulose.) Er soll sie unter Hinweis auf das “Trauerjahr” noch eine Weile hingehalten haben. Als dann 1727 aber klar wurde, dass er eine andere zur zweiten Frau nehmen würde, kam es zu schweren Zerwürfnissen. Bessler sah sich genötigt, die Magd zu entlassen.
Gemäß Schiller können “Weiber zu Hyänen” werden. Das gilt ganz besonders bei verschmähter Liebe. Der Hinauswurf brachte das Fass jedenfalls endgültig zum Überlaufen. Es liegt also ausgesprochen nahe, dass die Anzeige der Magd ein Racheakt mit dem Ziel war, ihrem ehemaligen Arbeitgeber existentiell zu schaden. Der Verfasser begründet in einer Analyse, warum es sich dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine Lüge gehandelt haben dürfte. (Siehe “Die Lüge der Magd”.) Aufgrund des von ihr unterzeichneten Protokolls kam Bessler in Haft, wurde jedoch alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt. Man nimmt an, dass die Festnahme ohne das Wissen von Landgraf Karl erfolgt war und dass dieser die Freilassung Besslers anordnete, sobald er davon erfahren hatte.
Rückblickend ist unklar, ob der angezeigte Sachverhalt überhaupt irgendeine Strafnorm verletzte oder ob die Inhaftierung willkürlich erfolgte. Die Täuschung einer Gruppe von Sachverständigen hinsichtlich der Funktion einer Erfindung dürfte kaum strafbar gewesen sein. Die Beurteilung wäre anders, wenn Bessler sich als Folge einer Täuschungshandlung und eines daraus entstandenen Irrtums einen Vermögensvorteil verschafft hätte. Wäre zum Beispiel die von Gärtner zugesagte Summe an ihn ausgezahlt worden, obwohl das Rad in Wahrheit nicht funktionierte, hätte auch nach heutigem Rechtsverständnis ein echter Betrug vorgelegen. Die Recherchen des Verfassers führten bisher jedoch nicht zu einer Klärung der Frage, ob Gärtner jemals seine Wettschuld bei Bessler beglichen hat. Auch wäre es bedeutsam zu wissen, ob es für Straftaten damals bereits Verjährungsfristen gab. Heute könnte eine solche Tat nach 10 Jahren nicht mehr verfolgt werden.
Nicht überliefert ist, ob gegen die Magd Ermittlungen wegen falscher Verdächtigung bzw. Meineides geführt wurden. (Offenbar konnte damals ein angezeigter Sachverhalt bereits bei der Polizei beeidet werden.) Besslers Bruder, der gemäß ihrer Darstellung in die Manipulationen verwickelt gewesen sein soll und der ihre Aussage bestätigen oder als unwahr hätte entlarven können, war nicht auffindbar. Landgraf Karl dürfte kein Interesse daran gehabt haben, die Sache vor Gericht öffentlich auszubreiten, denn als Gönner Besslers war er in dieser Sache nicht nur befangen, sondern persönlich involviert. Er, der sich zehn Jahre zuvor durch einen Blick in den Mechanismus davon überzeugt hatte, dass die Betrugsverdächtigungen unbegründet waren, hätte dann wohl oder übel als Zeuge aussagen müssen. Die Einstellung des gesamten Verfahrens wurde dadurch begünstigt, dass Andreas Gärtner zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. Für ihn wäre es ein gefundenes Fressen gewesen, und er hätte wahrscheinlich versucht, die Bevölkerung zu mobilisieren.
Der bereits erwähnte Professor ‘sGravesande wurde übrigens mit der Geschichte der Magd konfrontiert. Da er Newton einen überaus positiven Bericht über die Besichtigung des Rades geschickt hatte, wäre die Sache geeignet gewesen, seinem eigenen Ruf zu schaden. Er äußerte sich wie folgt: “Ich weiß wohl, dass Orffyreus verrückt ist, aber ich halte ihn nicht für einen Betrüger. Eines weiß ich wie nur irgend etwas in der Welt: Wenn die Dienstmagd das Obige sagt, dann lügt sie.”
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Bessler lebte danach noch fast zwei Jahrzehnte. Er blieb umtriebig und verlegte seine Aktivitäten teilweise auch in das nur wenige Kilometer entfernte Herzogtum Braunschweig.*)
*) Die Weser bildete bei Carlshaven damals wie heute die Nordgrenze Hessens. In Ost-Westrichtung verlief auf der anderen Seite des Flusses ein nur wenige Kilometer breiter Landstreifen, der zum Kurfürstentum Hannover gehörte. Das Herzogtum Braunschweig erstreckte sich nördlich davon.
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Am 30. November 1745 starb Bessler 65jährig bei Arbeiten am Neubau einer Windmühle in Fürstenberg an der Weser durch einen Sturz in die Tiefe. Als Konstrukteur des Gebäudes plante er, die dort häufig herrschenden Aufwinde durch ein sich horizontal drehendes Flügelrad zu nutzen. Wegen seines Todes wurde das Bauwerk jedoch in der vorgesehenen Weise nie fertiggestellt, sondern beherbergte dann den ersten Brennofen der durch Carl I., Herzog von Braunschweig, anno 1747 gegründeten fürstlichen Porzellanmanufaktur.
Man erkennt, wo die Welle des Flügelrades an der höchsten Stelle durch das Dach geführt werden sollte. Man nutzte das statt dessen für den Schornstein des Brennofens. Letzterer ist immer noch vorhanden, jedoch hat man den Schornstein entfernt und die Dachöffnung mit Blech verschlossen.
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Die unteren beiden Stockwerke werden von 1 Meter dicken Sandsteinmauern umschlossen. Offenbar war das nötig, um eine ausreichende Standfestigkeit der Mühle sicherzustellen. Das Fachwerk des oberen Teils sowie die Konstruktion des Dachs wurden aus solidem Eichenholz gefertigt. Das Bauwerk ist heute noch mit den ursprünglichen Sandsteinschindeln gedeckt.
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“Orffyreus-Mühle” in Fürstenberg. Die Natur ist bereits dabei, das leerstehende Haus von außen in Besitz zu nehmen.
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Das denkmalgeschützte Gebäude ist besonders innen stark renovierungsbedürftig. Die Kosten für eine vollständige Sanierung dürften sich auf eine halbe Million Euro belaufen. Die Gemeinde Fürstenberg bietet das Bauwerk gegenwärtig für 1 Euro zum Kauf an und hofft dabei auf einen zahlungskräftigen Investor. Vielleicht findet sich jemand, der daran Interesse hat. Zu wünschen wäre, dass es sich dabei um einen geschichtsbewussten Menschen oder vielleicht sogar um einen Bewunderer Besslers handelt.
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Als Ironie des Schicksals hat die Gravitation Bessler nicht nur kein Glück gebracht, sie hat ihm durch den geschilderten Unfall sogar das Leben genommen. Das Geheimnis seines Rades nahm er mit ins Grab. Es ist müßig, im Nachhinein darüber zu spekulieren, ob er es vielleicht preisgegeben hätte, wenn sein Tod sich rechtzeitig angekündigt und ihn nicht auf diese Weise so unerwartet heimgesucht hätte.
Nachfolgend der Text eines Inserats, das die Witwe Besslers im Januar 1747 in den “Braunschweigischen Anzeigen” veröffentlichte. Der Bezug zum weit entfernten Braunschweig ergab sich durch den Umstand, dass Fürstenberg zu dieser Zeit zum Herzogtum Braunschweig gehörte.
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“Es ist in dem kleinen hessischen Städtgen Carlshafen ein recht schönes massives wohl ausgebauetes des verstorbenen Hrn. Commercien-Raths Orfireus hinterlassenen Erben zugehöriges Wohnhaus zu verkauffen. Es hat dieses Haus zwo Etagen, und befindet sich in der untersten 1 recht proportionirliche Diele, nebst einem grossen Thor-Wege, zur rechten Seite aber 1 grosse Wohn-Stube, und an derselben 1 Küche; auf der linken Seite dieses Hauses ist 1 grosse Stube, nebst 1 Speise-Cammer. In der zwoten Etage 1 schöner Voor-Saal, und zu beyden Seiten 1 schöne Stube nebst der Cammer, in der Mitte aber 1 Saal, wie auch noch 2 Zimmer, davon die Fenster in den Hof gehen. Hierbey findet sich nebst dem Hofe und Garten ein grosses massives Hinter-Gebäude worin unten Stallung und oben Zimmer sind, wie denn auch zu diesem Hause 1 an der Weser liegender 2 Morgen haltender, und mit kostbaren Obst-Bäumen versehener Garten, imgleichen 2 Morgen gutes Wiesen- wie auch 4 Morgen Acker-Land gehören. Wer dieses Haus nebst gemeldetem Zubehör zu kauffen willet, beliebe sich ohnschwer zwischen hier und bevorstehenden Ostern, bey der Frau Commercien-Räthin auf dem hiesigen Amte Fürstenberg zu melden, und von derselben weitere Nachricht einzuziehen.”
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Hätte die Geschichte eine andere Wendung genommen, hätte Friedrich der Große in seinem Schlosspark von Sanssouci möglicherweise die Wasserfontäne mit einem großen Besslerrad betreiben können. Das Potsdamer Schloss wurde 1747 eingeweiht. Eine Windmühle sollte Wasser aus dem nahegelegenen Fluss zunächst in ein höheres Reservoir pumpen, aus dem dann gleichmäßig ein großer Springbrunnen hätte gespeist werden können. Wegen der unzureichenden Windverhältnisse am tiefgelegenen Ufer der Havel scheiterte das Projekt jedoch. Besslers Erfindung wäre dafür wie geschaffen gewesen, denn er selbst hatte wiederholt mit einer von seinem Rad angetriebenen archimedischen Schraube das Fördern von Wasser öffentlich vorgeführt. So dauerte es noch hundert Jahre, bis diese Aufgabe von einer Dampfmaschine übernommen wurde. Diese hatte dann aber auch ca. 80 PS und spie die Fontäne etwa 40 Meter hoch.
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Der preußische König Friedrich Wilhelm IV., (Vorgänger von Wilhelm I.), erteilte unmittelbar nach der Übernahme seines Amtes dem Baumeister Persius den Auftrag, für die Unterbringung der Dampfmaschine und der von ihr angetriebenen Pumpe ein optisch akzeptables Gebäude zu errichten. Von 1841 bis 1843 entstand das links zu sehende Bauwerk im Erscheinungsbild einer Moschee. Selbst auf ein Minarett wurde nicht verzichtet.
Das Gebäude steht in 14471 Potsdam, Breite Straße 28, und ist heute ein Museum. Der Kessel ist nicht mehr in Betrieb, jedoch wird die Dampfmaschine zeitweise von einem Elektromotor angetrieben und kann auf diese Weise von den Besuchern immer noch bestaunt werden. Am unteren Bildrand sieht man die Havel.
Von diesem Standort aus wurde das Flusswasser über eine Distanz von 2 km bis in den Schlosspark Sanssouci gepumpt. Bei einer Fontänenhöhe von 40 Metern war ein hoher Druck erforderlich, der für die Ingenieure und das damals vorhandene Rohrmaterial eine Herausforderung darstellte. Man nahm sie aber ganz bewusst an, denn in dieser Phase der Industriellen Revolution gab es einen heftigen Wettstreit zwischen Deutschland und England, wer von beiden fortschrittlicher war und die größeren technischen Leistungen vollbringen konnte. Nur unter diesem Gesichtspunkt ist verständlich, warum man das Wasser in eine solche Höhe spritzte. Für die Besucher des Schlossparks war die Sache nämlich mit Stress verbunden. Bei Wind verteilte sich die Feuchtigkeit über eine große Fläche.
Heute hat die Fontäne eine bescheidenere Höhe und wird vor Ort von einer Elektropumpe in Gang gehalten. (Siehe nächstes Foto.)
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